
Heutzutage pflegen wir die Tradition des Fechtens, weil wir davon überzeugt sind, dass auf diese Weise Zusammenhalt und Gemeinsinn in der überzeugendsten Form zu dokumentieren sind. Während der Körper durch Halsbinde, Paukweste, Kettenhemd, Stulp (Armschutz) und Paukbrille geschützt ist, besteht das Risiko einer Mensur immer darin, eine Schnittverletzung am Kopf davonzutragen. Dem Studenten stehen diese negativen Konsequenzen deutlich vor Augen, wenn er in Erwägung zieht, Mitglied eines solchen, pflichtschlagenden Bundes zu werden.

Daraus resultiert zum einen, dass ihm seine eigene physische und psychische Leistungsfähigkeit unmittelbar und drastisch vor Augen geführt wird und er für sich persönlich lernt, auch in solchen Grenzsituationen zu bestehen und einen kühlen Kopf zu bewahren.
Zum anderen resultiert daraus, dass der sich trotz aus der Mensur eventuell ergebender negativer Konsequenzen in eine solche Verbindung eintretende Student bewusst für die Inkaufnahme dieses Risikos entscheidet. Damit dokumentiert er insbesondere im Rahmen der Mensur, zu jeder Zeit und unter allen Umständen, für seine Gemeinschaft und für jeden einzelnen Bundesbruder bis an die Grenze seiner physischen und psychischen Leistungsfähigkeit gehen zu wollen und sollte es für ihn persönlich noch so negative Konsequenzen zur Folge haben.

Die Jenaische Burschenschaft Germania ist eine Gemeinschaft unterschiedlichster Charaktere und Herkünfte, die mitunter schwer miteinander zu vereinbaren sind. Was sie aber gemeinsam haben, ist das Ziel, einander wahre Freunde zu sein, weit über das Studium oder das gemeinsame Leben und Wirken in Jena hinaus. Dieser Freundschaft über alle Unterschiede hinweg Ausdruck zu verleihen, dient uns das akademische Fechten in besonderer Weise.
Die Herrschaft über den Augenblick
ist die Herrschaft über das Leben.
(Marie von Ebner-Eschenbach)